Ich heirate einen Deutsch-Lk

Es hat eigentlich alles ganz gut angefangen, wie eben jede Ehe so voller Enthusiasmus und Zuversicht an den Start geht. Die meisten von uns kannten die Qualitäten unseres Zukünftigen aus der 11. Klasse und hatten keinen Zweifel an dem Gelingen dieser Verbindung, aber auch die, die sich sozusagen blind darauf eingelassen hatten, hatten keinerlei Bedenken.

Aber wie in den meisten Ehen, zeigt sich erst im Nachhinein das wahre Gesicht des Anderen und so mussten auch wir feststellen, dass Herr Löw uns bis dahin noch verborgene Seiten besitzt, die scheinbar niemand bemerkt hatte- ja ja, Liebe macht eben doch Blind. Auch mussten wir feststellen, dass Herr Löw uns eigentlich von Anfang an betrogen hat. Hatten wir seine Kooperation mit Frau Öfner bis dahin gebilligt, in der naiven Annahme, dass sich diese Verbindung mit der Zeit von selbst auflösen würde, wurden wir nun in diese Dreierbeziehung gezwungen, wobei man nicht sagen kann, dass die Beziehung durch eine weitere Person wieder belebt werden konnte. – Im Gegenteil, es wurde alles immer eintöniger und die gemeinsame Arbeitsbereitschaft näherte sich dem Nullpunkt, was vor allem an dem ausgeprägten Wortschatz von Frau Öfner lag („das lassen wir jetzt mal so stehen“).

Auch schien es, als ob Herrn Löw die sich aufbauenden Spannungen zwischen uns und ihr nicht auffallen würden, denn er ließ uns immer wieder, über Wochen lang mit ihr allein, so dass wir ihn zeitweise ganz vergaßen und uns manchmal fragen mussten, wer denn der bärtige Mann mit dem lustigen Gang und der ihn immer begleitenden Kaffeekanne, der von Zeit zu Zeit aus dem Nichts bei uns auftauchte, sei.(„Jetzt sitz ich auch mal wieder hier vorne- ich bin schon ganz aufgeregt!“)

Wenigstens hat er seine Vernachlässigung uns gegenüber bemerkt und versuchte sie durch eine gemeinsame Reise mit uns und Frau Öfner nach Berlin (siehe Studienfahrtbericht) wieder gut zu machen. Aber auch dieses Projekt scheiterte kläglich und führte in jeglicher Hinsicht sogar noch zu einer Verschlimmerung unserer Beziehungskrise, über deren Ursachen sich Herr Löw auch nach ausführlichen Erörterungen immer noch nicht im Klaren war.

Unerklärlicher- aber auch Erfreulicherweise lockerte sich die angespannte Lage mit dem Ausklang der ersten Hälfte unseres 13. Jahres immer mehr. – Hatten wir gelernt mit den Macken des anderen besser umzugehen, waren wir Reifer geworden, oder hatte es am Ende wirklich etwas mit der Reduktion unseres Dreierverhältnisses auf eine, für unsere Verhältnisse, konventionelle Zusammensetzung zu tun?

Naja, so musste eben jeder mit dem anderen bzw. dessen Macken zurechtkommen: Herr Löw mit uns, die wir, wie er immer sagte, so ganz anders als andere Jahrgänge seien und wir mit ihm, denn wer hätte gedacht, dass unser Herr Vertrauenslehrer, die größte Lästerbacke der ganzen Schule ist, was uns immer mit dem neuesten Klatsch und Gerüchten versorgte, wobei er allerdings auch immer mit äußerster Diskretion vorging („Erzählt das bloß nicht weiter!“).

Auch seine Art von Humor ist nicht die aller einfachste und so sollte ihm gesagt werden, dass nicht immer alles, was er für lustig hält wirklich lustig ist und dadurch manche Konflikte erst ausgelöst wurden.

Trotz allem haben wir es immer wieder geschafft interessante und weniger interessante, nachvollziehbare und konfuse (besonders wenn Jochen daran beteiligt war) Diskussionen zu führen.

Hiermit lassen wir uns scheiden.

Astrid